Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl
Mischbecken beim alten Tiefbrunnen soll den Chloridgehalt im Breisacher Trinkwasser senken Salzgehalt bleibt rätselhaft BREISACH (apt). In einer der nächsten Sitzungen wird sich der Breisacher Gemeinderat wieder einmal mit dem Salzgehalt im Trinkwasser beschäftigen. Grund ist ein Antrag der Umweltliste Breisach (ULB). Darin ist von zwei Spitzenwerten von fast 300 Milligramm Chlorid pro Liter die Rede, die die letzten Messungen im neuen Tiefbrunnen ergeben hätten. 'Das ist falsch', widerspricht der Breisacher Tiefbauamtsleiter Horst Wolf. Die Messwerte seien nicht im Tiefbrunnen, sondern 24 Meter tiefer ermittelt worden. Im neuen Tiefbrunnen wird das Grundwasser, wie Wolf erläutert, aus zwölf Metern Tiefe entnommen. Dort sei der Chloridgehalt deutlich niedriger. Bei den letzten Messungen habe er zwischen 190 und 220 Milligramm pro Liter gelegen. Der Grenzwert betrage 250 Milligramm pro Liter.
'Ich habe die Angaben der ULB schon in der jüngsten Sitzung angezweifelt', sagt Wolf, doch er werde, wie von der ULB beantragt, den Gemeinderat über das Thema informieren. 'Im übrigen ist Salz kein Schadstoff, sondern ein Nahrungsmittel', gibt er zu bedenken. Das Wasser im neuen Tiefbrunnen werde regelmäßig untersucht, gleichzeitig würden auch die Werte aus einer tieferen Schicht von 36 Metern erhoben, die die ULB in ihrem Antrag angeführt habe.
In dem Antrag verweist die ULB auch auf mögliche Folgen der Gundwasserversalzung, insbesondere die Korrosionsgefahr durch Rostbildung in den Wasserleitungen. Für die Rostbildung sei der Salzgehalt allerdings nur ein Faktor unter vielen, erläutert Wolf und nennt auch alte Gussleitungen. Im übrigen habe die Stadt eine Untersuchung zur Rostbildung in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass derzeit kein Handlungsbedarf bestehe. 'Wenn rostiges Wasser reklamiert wurde, waren bislang immer die Hausinstallationen Ursache', so Wolf. Außerdem gebe es gegen das Rostwasser nur ein Mittel: Chemie. Da gelte es abzuwägen, was das größere übel sei.
Die Grundwasserversalzung im Oberrheingraben ist nicht neu und wird in einer grenzüberschreitenden Untersuchung erforscht. Rätselhaft sind die Schwankungen des Salzgehaltes. Das Salz stammt aus den Zwischenlagern der Kaliminen bei Buggingen und Fessenheim. Die Folge sind Salzfahnen entlang der Grundwasserströme. Im Prinzip verläuft die Salzfahne wie der Rhein. Unklar sei allerdings ihr Verlauf zwischen dem Winklerberg und Breisach. 'Wir wissen nicht, ob die Salzfahne umgelenkt oder angestaut wird', erläutert Wolf. Der alte Tiefbrunnen am Gelbstein habe derzeit deutlich niedrigere Chloridwerte als der neue. Aber 1970 seien auch dort ähnliche Werte wie im neuen Tiefbrunnen gemessen worden.
Eine Reduzierung des Salzgehaltes im Trinkwasser erhofft man sich durch ein Mischbecken, das beim alten Tiefbrunnen gebaut werden soll. Dort soll das Wasser vom alten und neuen Tiefbrunnen vermengt werden. In diesem Jahr werden die notwendigen Untersuchungen vorgenommen. Mit dem Baubeginn rechnet Tiefbauamtsleiter Wolf im kommenden Jahr. Als Alternative bleibe nur ein Verbund mit anderen Wasserversorgern. Das sei einerseits teuer, andererseits sei auch von den umliegenden Gemeinden bislang kein Bedarf bekannt.
Die Aussagen von Herrn Wolf erfordern einige Richtigstellungen. Deshalb hier unsere Stellungnahme vom 19. Juni 2000:
- Die von der ULB zum Anlass ihres Antrags genommenen Salzwerte im neuen Tiefbrunnen entstammen den offiziellen Unterlagen, die die Fraktionen von der Stadt erhalten haben.
- Die Messwerte beziehen sich ganz eindeutig auf den oberen Grundwasserleiter, aus dem das Breisacher Trinkwasser gewonnen wird, und nicht - wie von Herrn Wolf behauptet -auf den unteren. Der letzte Spitzenwert vom 17.10.1999 wird mit 285 mg/l angegeben, also fast 300 mg/l Chlorid wie von der ULB gesagt.
- Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die von der Stadt weiter gegebenen Unterlagen fehlerhaft sind. Danach soll der höchste Wert bei 220 mg/l liegen. Die entsprechenden Unterlagen liegen der Umweltliste allerdings nicht vor.
- Der Grund des ULB-Antrages ist nicht eine mögliche Gesundheitsbeeinträchtigung, sondern die akute Rostgefahr, die ab einem Wert von 200 mg/l beginnt. Dieser Wert ist allgemein anerkannt und Grundlage von internationalen Verträgen zum Schutz der Trinkwasserrohrleitungen.
- Dies alles war Herrn Wolf bei seinem Gespräch mit der Badischen Zeitung bekannt. Warum er trotzdem die ULB in ein schiefes Licht rückte, sie arbeite mit falschen Zahlen, bedarf einer Erklärung.
(siehe dazu auch die Analysewerte der letzten 10 Jahre)
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