Presseecho


Autoteilen (Car-Sharing)
...
Einlage für Mitglieder sinkt auf 300 Euro (BZ, 12. Juni 1999)

Bleibelastung auf Kasernengelände
... Umweltbüro kontrolliert (BZ, 14. Mai 1999)

Förderverein Jüdisches Gemeindehaus
... Förderverein kauft Gemeindehaus (BZ, 20. Juli 2000) *
... Kostbarer Schatz aller Breisacher (BZ, 12. November 1999)
... Ein Haus der jüdischen Geschichte (BZ, 27. Oktober 1999)

Gehrgelände
... Anwohnerprotest (BZ, 6. Dezember 1999)

Hochwasserrückhaltung
... Ängste der Bürger bleiben bestehen (BZ, 11. Oktober 2000) *
... Der Rhein soll wieder Platz bekommen für seine Hochwasserfluten (BZ, 20. Juli 2000) *
... Isar dient als Vorbild für den Rhein (BZ, 27. Juli 1999)

Öffentlicher Nahverkehr
... Morgens fährt ein zusätzlicher Bus (BZ, 3. Dezember 1999)

Ökostromtarif der Energieversorgung Oberbaden (EVO)
... EVO lichtet den Tarifdschungel (BZ, 21. Mai 1999)
... Stadtwerke haben Zukunft (BZ, 14. Mai 1999)

Rheinuferstraße
... ULB will die Rheinuferstraße für den Verkehr sperren (BZ, 6. Oktober 1999)
... Viel Lob, aber auch Kritik (BZ, 3. September 1999)
... Rheinuferfest jetzt auf dem Bolzplatz (BZ, 4. August 1999)
... Vorfahrt für Fußgänger (BZ, 18. Juni 1999)
... Rheinuferpromenade mit Schwellen (BZ, 19. Mai 1999)
... Suche nach „Rheingold“ (BZ, 13. April 1999)
... Wird Rheinuferstraße bald autofrei? (BZ, 13. März 1999)

Salzbelastung des Trinkwassers - Korrosionsgefahr für Rohrleitungen
... Salzgehalt bleibt rätselhaft (BZ, 16. Juni 2000) *


Badische Zeitung, Aus der Region

20. Juli 2000

Verein kauft ehemaliges jüdisches Gemeindehaus in Breisach / Dokumentationszentrum geplant

Renovierung statt Abriss

Von unserem Mitarbeiter Thomas Rhenisch

BREISACH. Der „Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus“ in Breisach hat ein erstes, wichtiges Etappenziel erreicht. Am Mittwoch wurde der Kaufvertrag für das Gebäude in der Rheintorstraße, das bis 1933 der israelitischen Gemeinde als Heimstätte diente und das vor knapp zwei Jahren bereits kurz vor dem Abriss stand, unterzeichnet.

Jetzt wird das Haus renoviert und zu einem Dokumentationszentrum jüdischen Lebens in Breisach und der Region ausgebaut. Daneben soll das Haus einmal eine Bibliothek, ein Museum und eine Begegnungsstätte beherbergen.

Das Gebäude in der Rheintorstraße wird heutzutage von Passanten kaum beachtet und wenn doch, dann hauptsächlich wegen seines wenig schmucken Äußeren. Dabei ist es eines der wenigen historisch bedeutsamen Baudenkmäler, über die Breisach heute noch verfügt.

Gebaut in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, diente das „Haus zum alten St. Peter“ zunächst als Militärkantine und Gasthaus, bis es 1829 von der israelitischen Gemeinde Breisachs erworben und bis 1933 als Gemeindehaus genutzt wurde. 1941 erfolgte der Zwangsverkauf an einen Freiburger Rüstungsbetrieb. 1953 wurde es dann zwar an den Oberrat der Israeliten Badens restituiert, der es jedoch 1955 bereits wieder veräußerte. Bis vor einiger Zeit wurde es noch als Wohnhaus genutzt, seither schlummert es in tiefem Dornröschenschlaf.

Ende 1998 stellte der Eigentümer einen Abbruchantrag. Angesichts der maroden Bausubstanz würde sich eine Renovierung der Immobilie nicht lohnen. Dies rief nun aber einige engagierte Breisacher Bürger auf den Plan, die das Haus erhalten und die wenigen noch existierenden Zeugnisse des einst reichen jüdischen Lebens in Breisach vor dem Vergessen bewahren wollten. Im vergangenen Jahr gründeten sie den „Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus“, dessen vordringlichstes Ziel zunächst einmal der Kauf des Gebäudes war.

Dieses Ziel wurde nun erreicht. Für 280'000 Mark wurde das ehemalige Gemeindehaus erworben. Finanziert wurde das Ganze durch Spenden und zum größeren Teil durch einen Bankkredit, der jedoch, so die Vereinsvorsitzende Christiane Walesch-Schneller kürzlich vor der Mitgliederversammlung, jederzeit abgelöst werden kann. Ein Aufschub des Kaufs sei nicht mehr möglich gewesen, weil der Eigentümer ein zeitliches Limit gezogen hatte.

Als Nächstes steht nun die Renovierung des Gebäudes an. Die Firma Domiziel aus Neustadt, die im Rahmen der Gefährdetenhilfe und des Jugendschutzes in Zusammenarbeit mit der Caritas Wohnsitzlosen Arbeit und Ausbildung verschafft und sich dabei auf die Sanierung zumeist denkmalgeschützter Altbauten spezialisiert hat, wird diese Arbeiten übernehmen. Durch staatliche Zuschüsse, die die Firma für das Projekt erhält, können die Renovierungskosten deutlich unter die zunächst veranschlagten 800'000 Mark gesenkt werden. Sollte es dem Verein wider Erwarten doch nicht gelingen, die notwendigen Spenden aufzubringen, wird die Firma das Gebäude kaufen und damit den Kredit und die bis dahin aufgelaufenen Zinsen ablösen.

Bei all dem ist große Eile geboten. Denn bereits im Oktober plant der Förderverein eine „Woche der Begegnung“, zu der die noch lebenden, in alle Welt verstreuten Breisacher Juden in ihre ehemalige Heimat eingeladen werden sollen. Bei dieser Gelegenheit soll ihnen auch ihr einstiges Gemeindehaus wieder zugänglich gemacht werden.

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

16. Juni 2000

Mischbecken beim alten Tiefbrunnen soll den Chloridgehalt im Breisacher Trinkwasser senken

Salzgehalt bleibt rätselhaft

BREISACH (apt). In einer der nächsten Sitzungen wird sich der Breisacher Gemeinderat wieder einmal mit dem Salzgehalt im Trinkwasser beschäftigen. Grund ist ein Antrag der Umweltliste Breisach (ULB). Darin ist von zwei Spitzenwerten von fast 300 Milligramm Chlorid pro Liter die Rede, die die letzten Messungen im neuen Tiefbrunnen ergeben hätten. 'Das ist falsch', widerspricht der Breisacher Tiefbauamtsleiter Horst Wolf. Die Messwerte seien nicht im Tiefbrunnen, sondern 24 Meter tiefer ermittelt worden.

Im neuen Tiefbrunnen wird das Grundwasser, wie Wolf erläutert, aus zwölf Metern Tiefe entnommen. Dort sei der Chloridgehalt deutlich niedriger. Bei den letzten Messungen habe er zwischen 190 und 220 Milligramm pro Liter gelegen. Der Grenzwert betrage 250 Milligramm pro Liter.

'Ich habe die Angaben der ULB schon in der jüngsten Sitzung angezweifelt', sagt Wolf, doch er werde, wie von der ULB beantragt, den Gemeinderat über das Thema informieren. 'Im Übrigen ist Salz kein Schadstoff, sondern ein Nahrungsmittel', gibt er zu bedenken. Das Wasser im neuen Tiefbrunnen werde regelmäßig untersucht, gleichzeitig würden auch die Werte aus einer tieferen Schicht von 36 Metern erhoben, die die ULB in ihrem Antrag angeführt habe.

In dem Antrag verweist die ULB auch auf mögliche Folgen der Gundwasserversalzung, insbesondere die Korrosionsgefahr durch Rostbildung in den Wasserleitungen. Für die Rostbildung sei der Salzgehalt allerdings nur ein Faktor unter vielen, erläutert Wolf und nennt auch alte Gussleitungen. Im Übrigen habe die Stadt eine Untersuchung zur Rostbildung in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass derzeit kein Handlungsbedarf bestehe. 'Wenn rostiges Wasser reklamiert wurde, waren bislang immer die Hausinstallationen Ursache', so Wolf. Außerdem gebe es gegen das Rostwasser nur ein Mittel: Chemie. Da gelte es abzuwägen, was das größere Übel sei.

Die Grundwasserversalzung im Oberrheingraben ist nicht neu und wird in einer grenzüberschreitenden Untersuchung erforscht. Rätselhaft sind die Schwankungen des Salzgehaltes. Das Salz stammt aus den Zwischenlagern der Kaliminen bei Buggingen und Fessenheim. Die Folge sind Salzfahnen entlang der Grundwasserströme. Im Prinzip verläuft die Salzfahne wie der Rhein. Unklar sei allerdings ihr Verlauf zwischen dem Winklerberg und Breisach. 'Wir wissen nicht, ob die Salzfahne umgelenkt oder angestaut wird', erläutert Wolf. Der alte Tiefbrunnen am Gelbstein habe derzeit deutlich niedrigere Chloridwerte als der neue. Aber 1970 seien auch dort ähnliche Werte wie im neuen Tiefbrunnen gemessen worden.

Eine Reduzierung des Salzgehaltes im Trinkwasser erhofft man sich durch ein Mischbecken, das beim alten Tiefbrunnen gebaut werden soll. Dort soll das Wasser vom alten und neuen Tiefbrunnen vermengt werden. In diesem Jahr werden die notwendigen Untersuchungen vorgenommen. Mit dem Baubeginn rechnet Tiefbauamtsleiter Wolf im kommenden Jahr. Als Alternative bleibe nur ein Verbund mit anderen Wasserversorgern. Das sei einerseits teuer, andererseits sei auch von den umliegenden Gemeinden bislang kein Bedarf bekannt.

 

Die Aussagen von Herrn Wolf erfordern einige Richtigstellungen. Deshalb hier unsere Stellungnahme vom 19. Juni 2000:
  1. Die von der ULB zum Anlass ihres Antrags genommenen Salzwerte im neuen Tiefbrunnen entstammen den offiziellen Unterlagen, die die Fraktionen von der Stadt erhalten haben.
  2. Die Messwerte beziehen sich ganz eindeutig auf den oberen Grundwasserleiter, aus dem das Breisacher Trinkwasser gewonnen wird, und nicht - wie von Herrn Wolf behauptet -auf den unteren. Der letzte Spitzenwert vom 17.10.1999 wird mit 285 mg/l angegeben, also fast 300 mg/l Chlorid wie von der ULB gesagt.
  3. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die von der Stadt weiter gegebenen Unterlagen fehlerhaft sind. Danach soll der höchste Wert bei 220 mg/l liegen. Die entsprechenden Unterlagen liegen der Umweltliste allerdings nicht vor.
  4. Der Grund des ULB-Antrages ist nicht eine mögliche Gesundheitsbeeinträchtigung, sondern die akute Rostgefahr, die ab einem Wert von 200 mg/l beginnt. Dieser Wert ist allgemein anerkannt und Grundlage von internationalen Verträgen zum Schutz der Trinkwasserrohrleitungen.
  5. Dies alles war Herrn Wolf bei seinem Gespräch mit der Badischen Zeitung bekannt. Warum er trotzdem die ULB in ein schiefes Licht rückte, sie arbeite mit falschen Zahlen, bedarf einer Erklärung.

(siehe dazu auch die Analysewerte der letzten 10 Jahre)

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

12. November 1999

Ein neu gegründeter Förderverein will ehemaliges jüdisches Gemeindehaus kaufen und ein Dokumentationszentrum einrichten

Kostbarer Schatz aller Breisacher

BREISACH (gz). Im ehemaligen Jüdischen Gemeindehaus in der Rheintorstraße könnte bis in wenigen Jahren ein Dokumentationszentrum mit Bibliothek sowie eine Begegnungstätte entstehen. Voraussetzung dafür ist, dass der Förderverein Jüdisches Gemeindehaus Breisach, der am Mittwochabend offiziell im Stadtmuseum gegründet wurde, die nötigen finanziellen Mittel aufbringen kann.

Nach der Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite) fanden sich im Stadtmuseum rund 50 Bürgerinnen und Bürger ein, um den neuen Verein ins Leben zu rufen. Zur Vorsitztenden wurde Christiane Walesch-Schneller gewählt, ihr steht als Stellvertreter Martin Bier zur Seite, der sich seit längerem mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Breisach beschäftigt. Dem Vorstand gehören außerdem Ingeborg Lang als Schriftführerin sowie die Beisitzer Heidelore Goldammer und Gerd Müller an. Kassenprüfer sind Dr. Jacob Loewe und Markus Eschbach. Kraft seines Amtes wirkt auch Uwe Fahrer, Kulturbeauftragter der Stadt Breisach, im Vorstandsgremium mit. Im Beirat des Fördervereins werden neben namhaften Wissenschaftlern voraussichtlich Altbürgermeister Fritz Schanno, der frühere stellvertretende Bürgermeister Rudolf Schilling sowie Emil Göggel, Direktor des Martin-Schongauer-Gymnasiums, mitarbeiten. Auch Überlebende des Holocaust, die eine Verbindung zu Breisach haben, sollen eingeladen werden, den Förderverein bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Vor der offiziellen Gründung des neuen Vereins wies Martin Bier darauf hin, dass es bereits in der Vergangenheit in der Münsterstadt einige bemerkenswerte Aktionen gegeben hat, um die Geschichte der jüdischen Gemeinde Breisachs zu erforschen und an die Gräueltaten der Nationalsozialisten zu erinnern. Unter anderem erwähnte er eine Ausstellung im Martin-Schongauer-Gymnasium, die Veröffentlichung eines Buches von David Hans Blum über die jüdische Geschichte Breisachs sowie die würdige Neugestaltung des Synagogenplatzes im letzten Jahr.

Die Gründung des Fördervereins Jüdisches Gemeindehaus 'ist nun ein neuer, bemerkenswerter Schritt für Breisach, sich seiner Vergangenheit anzunehmen, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen und einen Blick in die Zukunft zu werfen', betonte er.

Bier verschwieg aber auch nicht, welch unmenschliche Leiden die jüdischen Bürger Breisachs vor gut 60 Jahren über sich ergehen lassen mussten. Viele wurden geschlagen, gefoltert und schließlich in Konzentrationslagern ermordet. Beim Sturm auf die Breisacher Synagoge waren auch Männer aus Breisach dabei - und nicht wenige Bürger, die tatenlos zugesehen haben.

Die Vorsitzende des Fördervereins umriss die Ziele der Gruppe und wies darauf hin, dass die Zeit dränge. Denn der jetzige Besitzer des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses habe eine Frist gesetzt, bis zu der der noch auszuhandelnde Kaufpreis bezahlt werden sollte. Dies bedeute, dass der Verein bis in wenigen Monaten zwischen 200 000 und 300 000 Mark besitzen müsse. Obwohl sie guten Mutes ist, dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, warb sie um breite Unterstützung aus der Bevölkerung: 'Wenn jeder etwas gibt, muss jeder weniger geben.'

Die Vorsitzende wünschte allen Vereinsmitgliedern 'viel Neugier, einen langen Atem, offene Herzen und Ohren sowie Kraft bei Gegenwind'. Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Geschichte stelle für Breisach und seine Einwohner eine große Chance dar. Sie kündigte an, möglichst viele Breisacher in das Projekt mit einzubinden.

Robert Krais vom deutsch-israelischen Arbeitskreis Südlicher Oberrhein warb um Unterstützung für den jungen Verein. Günter Boll, der sich seit 20 Jahren mit der Geschichte Breisachs geschäftigt, bezeichnete die jüdische Gemeinde als 'kostbaren Schatz aller Breisacher'. Dr. Johann Peter Loewe aus Breisach warnte vor überzogenen Erwartungen und vor einem 'Zuviel an Mahnen'. Sonst könnte in einer Kleinstadt wie Breisach bei vielen Bürgern unterschwellig Unmut entstehen. Kreisrat Reiner Zimmermann kündigte an, im Kultur- und Schulausschuss des Landkreises einen Zuschuss für die kulturelle Arbeit des neuen Veriens zu beantragen. Bürgermeister Alfred Vonarb teilte mit, dass der Verwaltungs- und Sozialausschuss die Vereinsgründung begrüßt und den Beitritt der Stadt beschlossen habe.

Zum Schluss der Versammlung dankte Heidelore Goldammer der Vorsitzenden für ihre immense Vorarbeit und überreichte ihr für die geplante jüdische Bibliothek Gedichte von Else Dormitzer, die diese während ihrer Zeit im Konzentrationslager Theresienstadt in den Jahren 1943 bis 1945 geschrieben hat und von denen es nur wenige Exemplare gibt.


Viele jüdische Bürger wurden aus Breisach vertrieben / Gedenkfeier auf dem Synagogenplatz

Lang war die Liste der Verfolgten

BREISACH (cm). Rund 100 Menschen versammelten sich am Mittwochabend bei widrigem Wetter auf dem Synagogenplatz in Breisach, um der vor 61 [59, Anmerkung der Umweltliste] Jahren deportierten jüdischen Bürger und der Zerstörung der Synagoge zu gedenken.

Alt-Bügermeister Fritz Schanno verlas - soweit noch bekannt - die Namen der Vertriebenen und Verfolgten. Der Rabbiner Natanel Wurmser aus Fürth entzündete am Gedenkstein ein Licht, sang und sprach jüdische Gebete und redete über die Schrecken des Holocaust.

Lang war die Liste der Namen, die Breisachs Alt-Bürgermeister Schanno wortrug. Levy und Uffenheimer, Namen, die heute in Breisach an keiner Haustür mehr stehen. Wer nicht schon vor dem 10. November 1938 geflüchtet oder gestorben war, wurde an diesem Tag aus seinem Haus und seiner Heimatstadt vertrieben [ Am 22. Oktober 1940 wurden die verblieben Juden nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Anmerkung der Umweltliste]. Höchstens drei Stunden Zeit blieb den verfolgten Bürgern in Südbaden damals, um das Nötigste zu packen.

Dann ging es nach Gurs, ein Lager in den Pyrenäen. In Breisach waren es rund 90 jüdische Bürger, die bis zu diesem Tag in ihrer Heimatstadt beglieben waren. Vollständig ist die Liste, die Schanno verlas nicht: In Breisach wurden nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Unterlagen über die jüdische Gemeinde verbrannt.

Einer der jüdischen Bürger Breisachs war Salomon Wurmser. Er kam in Auschwitz ums Leben. Sein Enkel Natanel Wurmser, Rabbiner in Fürth, versuchte zu erklären, wieso viele Breisacher Juden bis zu ihrer Deportation in ihrer Heimatstadt blieben: 'Es waren so gute Mitbürger'. Am Gedenkstein auf dem Synagogenplatz zündete Wurmser ein Licht an, in seiner Ansprache erinnerte er an Abraham, der der Überlieferung zufolge unbeschadet durchs Feuer ging. Ein Schicksal, das für die Millionen Juden, die durchs Feuer des Holocausts - das griechische Wort für Massenverbrennung - gingen, mit dem Tod endete - und vielerorts, auch in Breisach, die Auslöschung jüdischer Gemeinden zur Folge hatte. 'Noch in 1000 Jahren wird man sich an die Gräuel erinnern', sagte der Rabbiner in Anspielung auf das 'tausendjährige Reich', das die Nationalsozialisten errichten wollten.

Die Lichter, die die jüdischen Bürger Breisachs einst entzündeten, sind erloschen. Umso mehr freue es ihn aber, sagte Wurmser, dass in Breisach ein Funke am Leben geblieben sei und sich eine Gruppe nichtjüdischer Bürger des Erinnerns annimmt - im Gegensatz zu vielen Gemeinden, die nicht unglücklich darüber seien, dass sich das Problem des Gedächtnis an die früheren jüdischen Bürger 'von alleine entsorgt'.

Mit den Worten aus dem Talmud, den religiösen Überlieferungen des Judentums, gedachte Wurmser der Vertriebenen und Toten.


Der Kommentar:

Jüdisches Gemeindehaus

Eine Chance für Breisach

Die Gründung des Fördervereins Jüdisches Gemeindehaus Breisach stellt für die Münsterstadt und ihre Einwohner eine nicht zu unterschätzende Chance dar. Gelingt es wirklich, das marode Gebäude mittelfristig in eine lebendige Begegnungsstätte mit Dokumentationszentrum umzuwandeln, wäre hier Vorbildliches - auch über die Grenzen Breisachs hinaus - geleistet. Jugendliche könnten in diesem geschichtsträchtigen Haus Überlebende des Holocaust treffen und sprechen und dabei prägende persönliche Erfahrungen gewinnen. Das Gebäude könnte mehr von der einst sehr bedeutenden jüdischen Gemeinde Breisachs vermitteln als tausend Schulstunden.

Doch nicht nur die junge Generation könnte von dem Vorhaben profitieren. Den einst so schamlos vertriebenen jüdischen Bürgern und ihren Nachkommen würde durch das Projekt das schwierige Wiedersehen mit ihrer Heimat erleichtert. Und nicht zuletzt könnte das ehemalige jüdische Gemeindehaus für alle diejenigen ein Ort der Auseinandersetzung, der Zuflucht und des Wissens werden, die mit der Last ihrer Geschichte alleine nur schwer umgehen können. Gerold Zink

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

27. Oktober 1999

Initiative möchte in Breisach ein Dokumentationszentrum einrichten – Konferenz mit Überlebenden des Holocaust geplant

Ein Haus der jüdischen Geschichte

BREISACH (cm). Vor nicht einmal 60 Jahren gab es in Breisach noch eine große jüdische Gemeinde. Heute lebt kein einziger Jude von damals mehr in der Europastadt: Die jüdische Gemeinde Breisachs wurde im Dritten Reich ausradiert. Mit der Einweihung des Synagogenplatzes im vergangenen Jahr wurde ein erster Schritt getan, das Schicksal der ehemaligen Breisacher Bürger vor dem Vergessen zu bewahren. Jetzt plant eine Initiative die Gründung eines Fördervereins, mit dem Ziel, im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus in der Rheintorstraße eine Gedenkstätte einzurichten.

Heute erinnert dort kaum noch etwas an die Vorgeschichte des Hauses. Das Gebäude ist in sehr schlechtem Zustand. Seit dem Tod der Besitzerin, der einzigen Jüdin, die mit ihrer Familie in Breisach überlebt hat, stand das Haus die meiste Zeit über leer.

Doch nach den Vorstellungen von Christiane Walesch-Schneller, die nach den Schicksalen der Breisacher Juden forscht, soll bald wieder Leben in das alte Gemäuer einziehen. Ein Museum zur Geschichte der Juden in Breisach und der Regio soll im „Michael-Eisemann-Haus“, so der Name des letzten jüdischen Kantors, der dort wohnte, entstehen.

Christiane Walesch-Schneller plant, eine Sammlung aufzubauen, die die jüdische Geschichte in Südbaden dokumentiert. Außerdem will sie eine Judaika-Bibliothek zusammenstellen. Ein Auskunftszentrum zu Fragen nach der Geschichte und der Kultur des Judentums soll ebenso in den Räumen untergebracht werden wie eine Tagungsstätte. Außerdem könnten dort, so Christiane Walesch-Schneller, Gästezimmer für Überlebende und ihre Nachkommen eingerichtet werden für den Fall, dass sie Breisach besuchen kommen.

Doch bevor es soweit ist, muss das ehemalige jüdische Gemeindehaus erst einmal gekauft und renoviert werden. Nach Angaben von Christiane Walesch-Schneller hat der jetzige Besitzer des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses zugesagt, dass er es verkaufen würde, wenn dort eine Gedenkstätte eingerichtet wird. Zu welchem Preis das Haus den Eigentümer wechselt und wer der künftige Besitzer und Träger des Museums sein wird (möglich wäre eine Stiftung), ist derzeit noch offen.

Insgesamt schätzt Christiane Walesch-Schneller allein die Kosten für Kauf und Renovierung des Hauses auf rund eine Million Mark. Zusagen von privaten Spendern und Förderern lägen bereits vor. Das Landesdenkmalamt habe ebenfalls Interesse für das Projekt bekundet und Unterstützung zugesagt. Auch die Stadt signalisiere Bereitschaft mitzuhelfen. Jetzt hoffen die Initiatoren, die sich unlängst zu einer Gesprächsrunde zusammenfanden, auf Resonanz und Mithilfe aus der Bürgerschaft.

Denn ein derartiges Projekt müsse von den Bürgern gewollt und getragen werden und lasse sich nicht an Institutionen delegieren, so der Tenor der Diskussion. Außerdem dürften auch die Überlebenden nicht ausgeklammert werden. Ralph Eisemann, der Sohn Michael Eisemanns, hat bei seinem Besuch im Frühjahr bereits gesagt, dass es sein Wunsch ist, dass in seinem Elternhaus ein Museum eingerichtet wird.

Für das Jahr 2000 plant Christiane Walesch-Schneller eine Konferenz mit allen aus Breisach stammenden Juden, die den Holocaust überlebt haben. Zum einen soll dabei des 60. Jahrestags der Deportation der jüdischen Bürger aus Breisach gedacht werden. Zum anderen will Christiane Walesch-Schneller dabei auch die Flucht- und Lebenswege der ehemals Verfolgten dokumentieren. Die Zeit drängt, denn die ehemaligen jüdischen Bürger Breisachs sind alle schon in hohem Alter.

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

6. Dezember 1999

Investor plant Wohnhäuser auf ehemaligem Gelände Gehr

Anwohnerprotest

BREISACH (trh). Bei den Anwohnern der Richard-Müller-Straße und der Rempartstraße im Bereich des ehemaligen Grundstücks Gehr regt sich Protest gegen die geplante Bebauung des seit längerem ungenutzten, 3700 m² großen Areals.

Eine entsprechende Bauvoranfrage für mehrere Wohnhäuser wurde bereits im Oktober im Bauausschuss des Gemeinderats beraten. Ein Beschluss wurde damals jedoch nicht gefällt. Nun richten sich die Anwohner durchaus nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung des Geländes. Wogegen sie sich wenden, ist in erster Linie der vorliegende Planentwurf der Baugesellschaft, die das Grundstück vor einiger Zeit erworben hat.

Dieser sieht zwei einzeln stehende, zweigeschossige Wohnhäuser an der Richard-Müller-Straße vor. Drei weitere Gebäude sollen im rückwärtigen Bereich entstehen. Diese sollen über drei Stockwerke mit einem ausgebauten Dachgeschoss verfügen. In einer Tiefgarage sind Parkplätze für die Bewohner geplant. Weitere Parkplätze sollen entlang der historischen Stadtmauer in der Rempartstraße entstehen.

Hauptkritikpunkt der Anwohner, erklärt Hansjörg Willhauck, sei die unangepasste giebelständige Anordnung der Häuser entlang der Richard-Müller-Straße, die obendrein viel zu klobig wirkten. Auch die rückwärtige Bebauung sei, so wie sie in der Bauvoranfrage vorgesehen ist, unbefriedigend. Sie sei zu raumgreifend und würde die Zugänglichkeit der Stadtmauer – immerhin ein Baudenkmal ersten Ranges – für die Öffentlichkeit stark einschränken. Mit ihrer Kritik hatten sich die Anwohner in den vergangenen Wochen sowohl an die Bauverwaltung der Stadt Breisach als auch an die Parteien im Gemeinderat gewandt. Dabei gehe es, so Willhauck, keineswegs darum, das Projekt grundsätzlich zu verhindern. Vielmehr wollten die Bewohner durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung dazu beitragen, dass die für alle Beteiligten günstigste Lösung gefunden werde.

Aus diesem Grund habe man jetzt auch einen Alternativplan vorgelegt, der, bei gleicher Anzahl an Wohneinheiten, den Bedürfnissen der Anwohner erheblich besser entspreche. Durch die geschlossene traufständige Anordnung der Häuser an der Straße würde sich der Komplex erheblich besser ins Stadtbild einfügen. Auch erschienen die Neubauten durch eine abgestufte Firstlinie weitaus weniger wuchtig. Im rückwärtigen Grundstücksbereich sei ein zweiter, parallel verlaufender Gebäuderiegel vorgesehen. Dadurch würde Platz für eine große Freifläche gewonnen. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Zufahrt zur Tiefgarage von der Rempartstraße und nicht von der ohnehin stark befahrenen Richard-Müller-Straße aus erfolge. Mit diesem Planentwurf, der zeigen soll, „dass es auch anders geht“, wollen sich die Anwohner jetzt an den Bürgermeister und die Stadtratsfraktionen wenden, in der Hoffnung, dass ihren Anliegen Rechnung getragen wird.

Grund zur Eile besteht indes nicht. Eine Entscheidung über das Projekt, so heißt es im Rathaus, steht erst im kommenden Frühjahr an.

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

21. Mai 1999

Zum 1. Juni: Niedrigerer Strompreis, neues Tarifmodell und Ökostromtarif – Breisacher EVU übernimmt Vorreiterrolle im Land

EVO lichtet den Tarifdschungel

BREISACH (apt). Unverständliche Stromrechnungen – die Kunden der Energieversorgung Oberbaden GmbH (EVO) müssen sich darüber nicht mehr den Kopf zerbrechen. Zum 1. Juni senkt die EVO nicht nur den Strompreis im Schnitt um elf Prozent, sondern führt als erster Energieversorger in Baden-Württemberg auch einfach verständliches Tarifsystem ein, das nur noch zwischen Einfachund Spartarif unterscheidet. Zudem bietet die EVO in Zusammenarbeit mit der Freiburger FEW ihren Kunden einen Ökostrom-Tarif, den sogenannten „Regiostrom“ an.

Hintergrund der Strompreissenkung sind die günstigen Einkaufspreise, die die EVO gemeinsam mit der FEW erreicht hatte. Am meisten profitieren die Gewerbebetriebe, für sie senkt sich der Strompreis um 28 Prozent, für Landwirtschaft und Haushalte reduzieren sich die Kosten um acht, beziehungsweise fünf Prozent.

Während Strompreissenkungen derzeit gang und gäbe sind – die Konkurrenzsituation erfordert es – bedenken die EVUs ihre Kunden in der Regel mit schwer verständlichen Stromrechnungen. In Baden-Württemberg hat die EVO als erster Energieversorger jetzt Licht in den Tarifdschungel gebracht. „Wir haben versucht, das alte Tarifsystem völlig über Bord zu werfen“, berichtete EVO-Geschäftsführer Harald Botschen, der mit seinem Nachfolger Harald Seidelmann die Neuerungen der Öffentlichkeit vorstellte.

Wurde bislang zwischen Haushalt, Gewerbe, Landwirtschaft und Mischbedarf (Haushalt und Gewerbe) unterschieden – die Preisdifferenz betrug bis zu 30 Prozent – gibt es künftig für die Privat- und Geschäftskunden der EVO nur noch den Einfach- und den Spartarif. Um die Änderungen vornehmen zu können, seien Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium notwendig gewesen, das die Strompreise genehmigt, erläuterte Helmut Jöchl, Leiter der Abteilung Strom bei der EVO. Letztlich habe das kundenorientierte Tarifmodell überzeugt und man habe die Ausnahmegenehmigung für das Pilotprojekt erhalten. Ausschlaggebend seien der einfache und übersichtliche Aufbau, die allgemein verständlichen Begriffe und die Transparenz der Preisbildung gewesen.

Im Einfachtarif kostet die Kilowattstunde Strom 24 Pfennig, inklusive Ökosteier und Mehrwertsteuer, die ebenfalls aufgeführt, sind es 30,16 Pfennig. Hinzu kommt ein Grundpreis, beziehungsweise eine Zählergebühr, von 62,64 Mark pro Jahr. Entscheidet sich der Kunde für den Spartarif, beträgt der Grundpreis 11,36 Mark im Jahr. In der Zeit von 6 bis 22 Uhr kostet die Kilowattstunde inklusive Öko- und Mehrwertsteuer 32,48 Pfennig, von 22 bis 6 Uhr nur 15,31 Pfennig. Der Spartarif lohnt sich, wenn der Kunde mehr als 20 Prozent seines Stroms nachts verbraucht, erläuterte Harald Seidelmann.

Ab 1. Juni wird das Stromangebot zudem um den „Regiostrom“ und „Regiostrom Plus“ erweitert. Diese Angebote richten sich an Verbraucher,die mit einem höheren Strompreis eine Beitrag zum Klimaschutz und zum Aufbau regenerativer Energiequellen leisten wollen. Mit dem Aufpreis von drei Pfennig pro Kilowattstunde beim „Regiostrom“ wird die Stromerzeugung aus Wasserkraft, Biomasse, Windkraft und Blockheizkraftwerken unterstützt. Beim „Regiostrom Plus“, er kostet acht Pfennig mehr, auch die Solarenergie. Auch hier kann zwischen Einfach- und Spartarif gewählt werden. Beim Regiostrom orientiert sich die EVO am Partner FEW, die Zusatzeinnahmen werden in Freiburg treuhänderisch verwaltet. [Hervorhebung durch die Umweltliste Breisach]

Die EVO sind Preissenkung und übersichtliche Tarife eine Möglichkeit, sich auf dem hartumkämpften Strommarkt zu behaupten. Insbesondere die Industrie erwarte günstige Preise, merkte Harald Botschen an und verwies auf die französische Konkurrenz. Die Unternehmensphilosophie des Breisacher Energieversorgers hat sich bislang bewährt: „Wir haben seit vergangenem Jahr keine Kunden verloren, im Gegenteil im Großkundenbereich sogar 15 Prozent hinzugewonnen“, berichtete Botschen.

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

3. Dezember 1999

Wenn der Gemeinderat zustimmt, sollen die Busverbindungen in der Stadt verbessert werden / Verbindung zum Kohlerhofgebiet

Morgens fährt ein zusätzlicher Bus

BREISACH (ue). In der Münsterstadt soll der öffentliche Busverkehr zum 1. Januar weiter verbessert werden. So ist geplant, die Linie 31 (Tuniberg-Express), welche die Stadtteile Niederund Oberrimsingen sowie Gündlingen und Hochstetten mit Breisach verbindet, um einen Zusatzbus in den Morgenstunden zu erweitern. Außerdem soll der Stadtbusverkehr optimiert werden.

Mit dem Fahrplanwechsel Ende September war nicht nur annähernd ein Halbstundentakt auf der Schiene (Breisgau-S-Bahn) eingeführt worden, auch konnte die Linie 31 bis Breisach (über Gündlingen und Hochstetten) fortgesetzt werden. Bis dato hatte der Bus nur Nieder- und Oberrimsingen angefahren und dann wieder kehrt gemacht. Um die Attraktivität der Verbindung noch zu erhöhen, geht die Route seither als Stadtbuslinie 2 im Stadtgebiet weiter: über die Bahnhofstraße zum Grüngärtenweg (Haltestelle EVO und Lidl), Neuen Weg (Haltestelle Krankenhaus und Friedhof), Gutgesellentorplatz, Richard-Müller-Straße, Rempartstraße (Haltestelle Neutorplatz) und zurück zum Bahnhof.

In den vergangenen Wochen wurden nun erste Erfahrungen mit diesem Angebot gesammelt. Wie der Breisacher Umweltbeauftragte Willi Hennig erläutert, hat sich dabei gezeigt, dass vor allem die Anbindung an die S-Bahn (mit der Linie 31) in den Morgenstunden besser sein müsste. So ist die Bahn um 6.54 Uhr (in Richtung Freiburg) schlecht von den Stadtteilen aus zu erreichen. Zahlreiche Berufstätige und Schüler (besonders aus Hochstetten) seien gezwungen, sich mit dem Auto zum Bahnhof bringen zu lassen, um diese Zugverbindung überhaupt nutzen zu können.

Jetzt soll deshalb ein zusätzlicher Kurs gefahren werden. Von Montag bis Freitag startet dieser Bus um 6.28 Uhr in Niederrimsingen, um 6.31 Uhr in Oberrimsingen, um 6.38 Uhr in Gündlingen und um 6.46 Uhr in Hochstetten. Um 6.50 Uhr kommt der Bus schließlich am Breisacher Bahnhof an.

Laut Hennig muss für diese Fahrt ein eigenes Fahrzeug eingesetzt werden, was natürlich entsprechend teuer ist. Das zuständige Busunternehmen wolle mit 12500 Mark jedoch nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten in Rechnung stellen.

Was die Stadtbuslinie 2 angeht (unter der Woche 18 Fahrten pro Tag und samstags sieben Fahrten), ist diese Verbindung bislang durch etwa 20-minütige Standzeiten am Neutorplatz unterbrochen. Deshalb können die Fahrgäste aus der Kernstadt für innerstädtische Fahrten die Möglichkeiten der Linie nur dann nutzen, wenn sie am Bahnhof einsteigen und in Richtung EVO und Lidl weiterfahren. Würden sie bereits am Gutgesellentorplatz in den Bus steigen, so Hennig, müssten besagte Wartezeiten am Neutorplatz in Kauf genommen werden, was in der Praxis allerdings niemand mache.

Das Umweltamt schlägt deshalb vor, die Linie 2 auch gegenläufig fahren zu lassen. Der Bus nimmt zunächst seine übliche Route. Am Neutorplatz dreht er dann nach einer etwa fünfminütigen Pause eine Schleife zum Bahnhof und über die Poststraße zurück zum Neutorplatz. Weiter geht es in Richtung Krankenhaus, Neuer Weg zum Bahnhof. Allerdings müssten zwei weitere Haltestellen (am Neutorplatz und am Krankenhaus) auf der jeweils gegenüberliegenden Seite eingerichtet werden. Kosten für diese „echte innerstädtische Verbindung“, die einer Verdoppelung der bisherigen Kapazität gleichkommt, werden mit etwa 10000 Mark angesetzt.

Trotz des verbesserten Schienenverkehrs konnten in Breisach die Kurse der Stadtbuslinie 1 (sie verbindet den Bahnhof mit dem Kohlerhofgebiet) aufrechterhalten werden. Allerdings wurden die Busse in den Abendstunden und an Samstagen eingestellt. Einige Bewohner des Kohlerhofgebiets hatten deshalb ihrem Ärger bei der Stadtverwaltung Luft gemacht. Jetzt soll es abends wieder drei zusätzliche Verbindungen und sieben weitere an den Samstagen geben. 77500 Mark an Kosten entstehen der Stadt laut Hennig durch dieses neue Angebot.

Zusammen mit den bestehenden Verpflichtungen im öffentlichen Nahverkehr ergeben sich nun Gesamtkosten in Höhe von 360000 Mark. Dieser Posten soll – vorbehaltlich der Entscheidung des Gemeinderats – in den Haushalt des kommenden Jahres eingestellt werden. Der Verwaltungs- und Sozialausschuss hat bereits zugestimmt.

Für die Zukunft strebt Hennig denn auch noch weitere Verbesserungen an. So will er die teilweise problematischen Haltestellensituationen – etwa am Bahnhof – entschärft wissen und die Stadtbuslinien effektiver untereinander verknüpfen. Auch soll verstärkt die Werbetrommel gerührt werden. Denn für ihn ist klar, dass die neuen Verbindungen nur dann Bestand haben, wenn sie auch genutzt werden. „Sie stehen jetzt erst einmal auf dem Prüfstand“, sagt der Umweltbeauftragte.

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

14. Mai 1999

Thüga-Chef Nagel ist überzeugt, daß kleine Energieversorger im freien Markt eine Chance haben

Stadtwerke haben Zukunft

Von unserer Redakteurin Dagmar Dehmer

MÜNCHEN. Um die Zukunft der Stadtwerke ist Dieter Nagel nicht bange. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen aus dem Energiegeschäft geht der Chef der Thüga AG davon aus, daß es an den Stadtwerken selbst liegt, ob sie im liberalisierten Markt überleben. Die Chancen stünden trotz starker Konkurrenz nicht schlecht.

Dieter Nagel muß optimistisch sein. Schließlich ist die Münchner Thüga AG an 49 Stadtwerken direkt und an weiteren 90 indirekt beteiligt. Nur 20 Prozent ihres Umsatzes von 393 Millionen Mark macht die Thüga mit dem eigenen Gasund Stromgeschäft. Die Beteiligungen tragen 80 Prozent oder 233 Millionen Mark zum Ergebnis bei. 1998 erzielte die Thüga so den höchsten Konzerngewinn seit Bestehen: 158 Millionen Mark. Ihre Aktionäre – PreussenElektra (56 Prozent), Bayerische Landesbank (29 Prozent), Ruhrgas (zehn Prozent), Streubesitz (fünf Prozent) – dürfen sich über die höchste je gezahlte Dividende von 14 Mark pro 50-Mark-Aktie freuen.

Das war nicht immer so. Als Dieter Nagel zum Thüga-Vorstand aufrückte, sah es um das Unternehmen nicht gut aus. Deshalb lag ihm Anfang der 70er Jahre am Einstieg in die Freiburger Energie- und Wasserversorgung (FEW) besonders viel. Und Freiburg ist für die Thüga wichtig geblieben. So wichtig, daß sie sogar in Geschäftsfelder eingestiegen ist, die ihr nicht besonders behagt haben. Nun hat die Thüga Anteile an der Freiburger Stadtentwässerung und dem Entsorgungsgeschäft. Zumindest was letzteres angeht, soll Freiburg eine Ausnahme bleiben, sagt Nagel.

In anderer Hinsicht ist die FEW dagegen Vorbild im Thüga-Verbund. Die FEW praktiziert mit der Gasfernversorgung Mittelbaden (Offenburg), den Stadtwerken Lahr, der Energieversorgung Oberbaden (Breisach), den Gasbetrieben Emmendingen und der Badischen Gas- und Elektrizitätsversorgung (Lörrach) bereits das, was Nagel „Aufgabenfusion“ nennt. Die Südbadener wollen zu diesem Zweck im Sommer eine GmbH gründen. Gemeinsamer Einkauf – auch von Gas und Strom – und eine Angleichung der Tarifstrukturen stehen dabei im Vordergrund. Daß die Offenburger Gaskunden neuerdings weniger für ihre Energie ausgeben müssen, ist ein erstes Ergebnis der südbadischen Kooperation. Dabei soll es nicht bleiben. Wenn die FEW im Juni ihren „Regio-Strom“ aus Blockheizkraftwerken und regenerativen Stromquellen der Region anbieten wird, soll es nicht lange dauern, bis auch die Kunden der Partner das Angebot wahrnehmen können. [Hervorhebung durch die Umweltliste Breisach]

Diese „Aufgabenfusion“ hält Nagel einer echten Fusion der Unternehmen für überlegen. „Warum soll man sich diese ganzen Schwierigkeiten antun“, fragt er. Die Stadtwerke seien kleine, flexible Einheiten nah am Kunden. Diese Vorteile sollten sie nicht aufgeben.

Damit sie im Wettbewerb nicht untergehen, hat die Thüga nun mit dem Fränkischen Überlandwerk (FÜW) in Nürnberg eine neue Stromeinkaufs- und Vertriebsgesellschaft gegründet. Die Syneco soll künftig gemeinsam mit den Stadtwerken neue Stromlieferverträge aushandeln. „Gekauft wird, wo der Strom am billigsten ist. Wir sind kein Vertriebskanal für PreussenElektra“, stellt Nagel klar.

Wie solche Verhandlungen laufen könnten, hat Freiburg im Stromstreit zwischen dem bisherigen Vorlieferanten Energie Baden-Württemberg und dem neuen Partner Watt AG gezeigt. Und weil sich FEW-Chef Werner Juling dabei profiliert und bewährt hat, soll er künftig in den Diensten der Thüga Stromgeschäfte abwickeln. Dieter Nagel ist überzeugt, daß sich die Stadtwerke im Thüga-Verbund von den Großen im Stromgeschäft nicht über den Tisch ziehen lassen müssen: „Wir glauben, daß diese Struktur sehr zukunftsfähig ist.“

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Badische Zeitung, Ausgabe Westlicher Kaiserstuhl

6. Oktober 1999

„Info-Hock“ wird nur von wenigen Bürgern als Informationsmöglichkeit genutzt – Stadtrat Weiser nimmt Vonarb in die Pflicht

ULB will die Rheinuferstraße für den Verkehr sperren

BREISACH (cm). Einmal mehr bekräftigte die Umweltliste Breisach ihre Forderung nach einer Totalsperrung der Rheinuferpromenade. Wie das aussehen könnte, stellte die Umweltliste Breisach bei ihrem „Info-Hock“ am Sonntag den Bürgern vor.

Die kamen allerdings in nicht allzu großer Zahl – während die einen das nasskalte Schmuddelwetter dafür verantwortlich machten, führten andere dies darauf zurück, dass das Interesse der Breisacher für dieses Thema doch nicht so groß wie erwartet sei. Tiefbauamtsleiter Horst Wolf bleibt bei seiner Ansicht, dass es sich bei dem Hock nicht um eine Wahlkampfveranstaltung handelt.

„Völlig verkehrsfrei“ möchte die ULB „das einzige Naherholungsgebiet, das zu Fuß erreichbar ist“, in Zukunft haben. „Wenn die Stadt diese Straße nicht sperrt, dann wird sie keine sperren“, prophezeite Stadtrat Georg Weiser. Denn um die Rheinuferpromenade dicht zu machen, brauchte es keinen Mut. Schließlich sei von einer Sperrung niemand existenziell bedroht, so Weiser, und keinem entstünden durch weitere Wege Nachteile. „Wenn der Bürgermeister sagt, er wolle die Stadt für Touristen attraktiver machen, erwarten wir auch, dass er etwas tut“, versuchte der ULB-Stadtrat Breisachs Verwaltungschef Alfred Vonarb in die Pflicht zu nehmen.

Was der Bürgermeister nach Ansicht der ULB tun sollte, verdeutlichte sie mit Informationstafeln, auf denen sie Konzepte für die Rheinuferpromenade vorstellte. Skizzen von Ingeborg Lang zeigten, wie die Rheinuferpromenade dann aussehen könnte. Die ULB wünscht sich drei Rundwege, über die Spaziergänger entlang der Promenade und des Eckartsbergs gehen können.

Bestandteil des Konzepts ist auch die von Tiefbauamtsleiter Horst Wolf in der Bürgerversammlung bereits angesprochene Fußgängerbrücke in Höhe des Wehrs über die Möhlin. Außerdem präsentierte die ULB ihre Idee, eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke zwischen Frankreich und Deutschland über das Kulturwehr zu bauen.

Von einem Andrang an Interessierten konnte jedoch keine Rede sein. Da half auch die musikalische Unterstützung durch die Jazzband „Mahadöh“ wenig. Das Wetter habe es nicht besonders gut mit der ULB gemeint, erklärte ULB-Fraktionssprecher Gerd Müller. Für die Breisacher sei das Thema derzeit nicht akut, meinte hingegen der ebenfalls anwesende Stadtrat der CDU, Rudolf Gnädinger.

Die Geschichte um die abgehängten Plakate im Vorfeld der Veranstaltung (die BZ berichtete) führt Tiefbauamtsleiter Horst Wolf auf ein „Missverständnis“ zurück. Die ULB habe den Hock als Informationsveranstaltung angemeldet, um Wahlkampf handelt es sich dabei seiner Ansicht nach nicht. Zumal längst nicht alle Plakate mit dem nachträglich angebrachten Aufkleber „ULB – Liste 3“ versehen worden seien. Die ULB hat zudem zwar den Kauf der Gebührenmarken zugesagt („Um unnötigen Streit zu vermeiden“, so Gerd Müller), sie aber nicht wie fälschlicherweise berichtet abgeholt.

Der städtische Bauhof habe die Anweisung, nicht genehmigte (Werbe-) Plakate automatisch abzuhängen, und dies am Dienstag außerhalb der genehmigten Straßenzüge auch gemacht – bis auf die Plakate am Rheinufer. Zu den Vorwürfen Müllers, der Infohock habe im Vergleich zum Nahverkehrsfest härtere Auflagen erhalten, meinte Wolf, dass die beiden Veranstaltungsorte nicht miteinander vergleichbar seien: „Wenn die Gartenwirtschaft am Neutorplatz voll ist, sind da auch viele Leute.“

Dass der Bauhof die Plakate abgehängt hat, habe nichts damit zu tun, „dass man der ULB böse will“, erklärte der Gemeindevollzugsbeamte Ingo Hintereck, „es wäre ein Leichtes gewesen, mich am Montag anzurufen.“ Er hätte, wie er sagt, die Gebührenmarken dann sogar zugeschickt. Auch wenn manche über zu viele Plakate klagten: „Im großen und ganzen klappt das in Breisach.“ Er müsse sich eben an die Vorschriften halten. Und die müssten, wie Wolf anmerkte, Stadtrat Gerd Müller als Mitglied des Bauausschusses bekannt sein.

Zu diesem Bericht einige Bemerkungen der ULB: