Protokoll
Nr. 09
über die öffentliche
Sitzung des Gemeinderats
am 17. Oktober
2006 in der Stadthalle
in
Breisach am Rhein
Teilnehmer:
als Vorsitzender Bürgermeister Oliver
Rein
die Stadträte: Bercher Peter
Binz
Andreas
Dr.
Breitenfeldt Petra
Czemerys
Günter
Fischer
Andreas
Fleig
Andreas
Dr.
Groh Rüdiger
Hintereck
Wendelin
Ingenhoven
Willi
Jäger
Gerold
Köbele
Ruth
Kreutner Frank
Leber Jörg
Mack
Monika
Maier-Hänle
Ulrike
Menges
Lothar
Müller Gerd
Schäfer Thomas
Schneider
Werner
Siebenhaar
Roman
Siegel Anton
Singler
Andreas
Wiedensohler
Imogen
Zimmermann
Reiner
Entschuldigt: Baldus Stephanie
Gnädinger
Rudolf
Ortsvorsteher: Kiefer Bernhard,
Oberrimsingen
Ziegler
Walther, Gündlingen
Von der Verwaltung: Stadtkämmerer Konrad Schanno
Stadtbauoberrat
Horst Wolf
Oberamtsrat
Harald Bitzenhofer
Dipl.-Ing.
Stefan Baum und
Protokollführerin
Evelyne Dizien-Richarz
Beginn
der Sitzung: 18.30 Uhr
- 2 -
TOP.
1) Frageviertelstunde für
Einwohner
Hierzu gibt es keine Wortmeldungen
aus dem Zuhörerkreis.
TOP. 2) Bekanntgabe
der Beschlüsse der nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung vom 19.09.2006
Gemäß
§ 35 Abs. 1 GemO wird bekanntgegeben, dass der Gemeinderat in seiner nichtöffentlichen
Sitzung vom 19.09.2006
- der Ersatzbeschaffung des Friedhofbaggers
im Wege eines Rechtsvergleiches zugestimmt hat.
TOP. 3) Retention – Hochwasserrückhalteraum Kulturwehr Breisach
-
Beratung über das weitere Vorgehen
Bürgermeister
Rein begrüßt Rechtsanwalt Alexander Simon sowie die Herren Lothar Neumann und
Gerhard Schell von der Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention
Breisach/Burkheim, die als „sachkundige Bürger“ zur Sitzung eingeladen worden
sind.
Bürgermeister
Rein erläutert die Chronologie des Themas Retention ab 1982 bis zum heutigen
Tag. August 2006, mitten in der Urlaubszeit, ist der Planfeststellungsbeschluss
ergangen. Das Landratsamt will laut Planfeststellungsbeschluss jetzt die
Auswirkungen der ökologischen Flutungen erst einmal in einem Stufenplan testen und
hat die Einstauhöhe und damit die Größe der Überflutungsfläche reduziert. Dies
sei eine mutige Entscheidung. Statt wie ursprünglich vorgesehen an bis zu 65
Tagen pro Jahr soll nun nur noch an 19 bis 40 Tagen künstlich geflutet werden.
Die Einstauhöhe wurde von 193,2 auf 191,5 Meter abgesenkt. Die Hauptwege im
Rheinwald bleiben frei zu begehen, der Entenpfad entlang der Möhlin würde
allerdings unter Wasser stehen. In einem fünfjährigen Monitoring-Verfahren wird
untersucht, ob und wie der Wald geschädigt wird. Bei entsprechenden Schäden
werden die ökologischen Flutungen in einer zweiten Stufe fortgesetzt. Wichtig
sei die Zusammensetzung der Gruppe, die das Monitoringverfahren begleiten und
auswerten soll.
Zwischenzeitlich
habe man viele Gespräche mit den Behörden und der Bürgerinitiative geführt.
Hieraus ergaben sich noch einige Probleme und Fragen zu klären. Zwischen dem
nach Fertigstellung des Polders notwendigen Probestau und der ersten
ökologischen Flutung sollen mindestens drei Vegetationsperioden abgewartet
werden, um herauszufinden, wie Flora und Fauna reagieren. Eventuell wären dann
ökologische Flutungen überhaupt nicht mehr erforderlich.
Geklärt
werden müsse auch, welche Auswirkungen die künstlichen Flutungen auf den Anstieg
des Grundwassers dies und jenseits des Rheins haben, um eventuelle Schäden absehen
zu können. Ein weiterer Knackpunkt seien die Beweissicherung im Falle von
Schäden an Gebäuden wegen der Pumpengalerie sowie die Auswirkungen auf die
anliegenden Unternehmen. Des weiteren muss der Fließpolder genau definiert
werden.
- 3 –
Bürgermeister
Rein stellt fest, dass das Landratsamt den Belangen der Stadt zwar in vielen
Punkten bereits entgegengekommen ist, aber es bleiben noch viele Fragen offen.
Das Ziel der Stadt ist, ganz von den ökologischen Flutungen weg zu kommen. Um
die offenen Punkte noch nachzuverhandeln, wird die Stadt zunächst fristwahrend
Klage erheben.
Herr
Neumann bedankt sich für die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt
und der Bürgerinitiative. Die Bürgerinitiative plädiert ebenfalls für die
Klage. Der Planfeststellungsbeschluss enthalte viele Widersprüche, aber auch
erfreuliche Entscheidungen. Allerdings werde das Sportgelände im Falle eines
Hochwassers in Mitleidenschaft gezogen. Es müsse vorab geklärt werden, welche
Schäden entstehen können, um mögliche Entschädigungen zu regeln. Geklärt werden
solle auch, wer in dem Gremium des Monitorings entscheidet, ob die ökologischen
Flutungen in einer zweiten Stufe weitergeführt werden.
RA
Alexander Simon vergleicht den Planfeststellungsbeschluss mit einem gewaltigen
Erdbeben. Das Monitorring bezeichnet er als großer Schritt. Zum einen sind die
Stadt und die Bürgerinitiative in dem Gremium vertreten, zum anderen könne die
Stadt gegen eine Fortsetzung der ökologischen Flutungen klagen. Er gibt jedoch
zu bedenken, dass bei der Untersuchung auch herauskommen könne, dass ökologischen
Flutungen notwendig sind.
Für
die CDU erklärt Stadtrat Peter Bercher, dass es nicht zumutbar sei, einen 300
Seiten dicken Planfeststellungsbeschluss in 4 Wochen durchzuarbeiten. Die Klage
sei sinnvoll, um nun auf Augenhöhe mit dem Land nachverhandeln zu können. Es
müsse geklärt werden, wer für die Schäden haftet und in welcher Höhe, wenn
etwas passiert. Er dankt der Bürgerinitiative für ihren großen Einsatz.
Abschließend fordert er, dass die Stadt und Bürgerinitiative weiter hart verhandeln
sollen. Seine Fraktion stimme der Klage zu.
Stadtrat
Lothar Menges (SPD) betont, dass das Wohl, die Sicherheit und das Eigentum der
Bürger, auch im benachbarten Elsass, gewährleistet werden müssen. Ein weiteres
Ziel ist die Sicherung der Betriebsfähigkeit unserer Wirtschaft, insbesondere
der Kieswirtschaft im Retentionsraum. Die SPD-Fraktion schätzt ökologische
Flutungen weiterhin als falsch und unnötig ein. Seine Fraktion wehrt sich nicht
gegen die Retention aber gegen die künstlichen Flutungen. Seine Fraktion stimmt
daher der Klage zu.
Für
die FDP/FWB-Fraktion sagt Stadtrat Dr. Rüdiger Groh voraus, dass die jetzt
geplanten Eingriffe in die Natur größer sein werden als bei der
Rheinbegradigung von Tulla. Er schildert auch, dass er bei vielen Gesprächen
mit Landespolitikern die Arroganz der Macht gespürt habe. Die Meinung der
Bürgerinitiativen und der Fachleute wollte man in Stuttgart einfach nicht
hören. Und das, obwohl den Bürgern der Region viel abverlangt werde. Die
Betroffenheit der heimischen Kiesindustrie durch die ökologischen Flutungen ist
für seine Partei nicht nur eine Frage der Entschädigung der betroffenen
Werkseigentümer, es ist in erster Linie eine Frage des Erhaltens von
Arbeitsplätzen. Insgesamt sei es ratsam, gegen das Planfeststellungsverfahren
sehr misstrauisch zu sein. Die ökologischen Flutungen seien nach wie vor als
ein schwerwiegender und schädlicher Eingriff in die derzeitige schützenswerte
Natur unseres Rheinwaldes zu betrachten und daher unterstütze seine Partei die
Klage der Stadt gegen die Planfeststellung in der jetzigen Form.
- 4 –
Stadtrat
Gerd Müller (ULB) sieht sich durch den Planfeststellungsbeschluss in seiner vor
2 Jahren geäußerten Meinung bestätigt, die ökologischen Flutungen auszusetzen,
bis es zur ersten großen Retention im Ernstfall komme. Man müsse nach der
Probeflutung schauen, wie Flora und Fauna reagieren und dann über das weitere
Vorgehen beraten. Die ULB-Fraktion stimmt daher dem Vorschlag der Verwaltung
zu, Klage zu erheben mit dem Ziel, in den genannten Punkten Verbesserungen zu
erreichen.
Bürgermeister
Rein appelliert an die Bürger, ihr Interesse weiterhin beizubehalten. Eine
Entscheidung von großer Tragweite wurde heute getroffen.
Beschluss
(einstimmig 25:0:0)
Der
Gemeinderat beschließt, fristwahrend Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss
einzureichen und beauftragt die Verwaltung, mit dem Landratsamt in
Verhandlungen zu treten, um Verbesserungen zu erlangen.
Schluss der Sitzung: 20.30 Uhr
Zur
Beurkundung
Gemeinderäte: Der
Bürgermeister:
Die
Protokollführerin:
E. Dizien-Richarz