Protokoll
Nr. 10
über die öffentliche
Sitzung des Gemeinderats
am 23. November
2004 in der Stadthalle
in
Breisach am Rhein
Teilnehmer:
als Vorsitzender Bürgermeister Alfred
Vonarb
die Stadträte: Baldus Stephanie
Bercher
Peter
Binz
Andreas
Dr.
Breitenfeldt Petra
Czemerys
Günter
Fischer
Andreas
Gnädinger
Rudolf
Dr.
Groh Rüdiger
Hintereck
Wendelin
Ingenhoven
Willi
Jäger
Gerold
Köbele
Ruth
Kreutner Frank
Leber Jörg
Mack
Monika
Maier-Hänle
Ulrike
Menges
Lothar
Müller Gerd
Schneider
Werner
Siegel Anton
Singler
Andreas
Wiedensohler
Imogen
Zimmermann
Reiner
Entschuldigt: Fleig Andreas
Jungel
Bernd
Schäfer
Thomas
Ortsvorsteher: Kiefer Bernhard,
Oberrimsingen
Ziegler
Walther, Gündlingen
Von der Verwaltung: Beigeordneter Oliver Rein
Stadtkämmerer
Konrad Schanno
Stadtbauoberrat
Horst Wolf
Dipl.-Ing.
Stefan Baum und
Protokollführerin
Evelyne Dizien-Richarz
Beginn
der Sitzung: 18.30 Uhr
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TOP. 1) Hochwasserrückhaltungsmaßnahmen
(integriertes Rheinprogramm)
-
Planfeststellungsverfahren Polder Kulturwehr Breisach
Bürgermeister
Vonarb begrüßt Herrn Alexander Simon, Rechtsanwalt aus Freiburg, der die Stadt
vertritt, sowie die zahlreichen deutschen und französischen Zuhörer.
Zur
Einführung in das Thema schildert Bürgermeister Vonarb noch einmal die Vorgeschichte
des Projektes. Aufgrund des 1982 geschlossenen Staatsvertrages zwischen
Frankreich und Deutschland muss das Land Baden-Württemberg mehrere Hochwasserrückhalteräume
zum Schutz der Region Mannheim/Ludwigshafen bei Hochwassersituation (Schutz von
einem 200-jährigen Hochwasser) schaffen. Zunächst war beim Karpfenhod der Bau
eines großen Wehres geplant gewesen. Da die Naturschutzbehörden dies jedoch als
nicht umweltverträglich eingestuft haben, wurde die Errichtung von mehreren
kleinen Wehren ins Auge gefasst. Aufgrund der Einwendungen des Umweltschutzes
wurde 1989 das Integrierte Rheinprogramm entwickelt. Vor 4 bis 5 Jahren sei
dann erkennbar geworden, dass das Land in Breisach gleich 2 Polder
verwirklichen wolle: das Projekt Kulturwehr Breisach südlich der Stadt und der
Polder Breisach/Burkheim in nördlicher Richtung. Zu diesem Zeitpunkt seien auch
die so genannten ökologischen Flutungen erwähnt worden, die den Wald wieder in
eine Rheinaue verwandeln sollen. Deshalb entstand zwischen der Stadt und der
Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention Breisach/Buchkeim eine
Zusammenarbeit. Die französische Seite wurde nicht in die Planungsüberlegungen
miteinbezogen. Die französische Seite habe erst 1986 beim Meinungsaustausch
anlässlich des Bürgermeistreffens am Weinfest von dem Projekt erfahren. Im
Februar 2004 haben der Landrat und der französische Präfekt erstmals eine öffentliche
Veranstaltung in der französischen
Nachbargemeinde Vogelgrun durchgeführt. Nun sei auf beiden Seiten des
Rheins das Planfeststellungsverfahren für den Polder Kulturwehr
Breisach/Burkheim eröffnet worden, mit dem Beginn des Verfahrens für den Polder
Breisach/Burkheim sei wohl bis in einem halben Jahr zu rechnen. Die Forderung
der Stadt lautet, dass das Verfahren Kulturwehr Breisach so lange offen bleibe,
bis das Verfahren Polder Breisach/Burkheim begonnen habe. Denn beide Projekte könnten nicht isoliert
voneinander betrachtet werden. In den vergangenen Jahren haben immer wieder
Gespräche zwischen der Stadt und der Gewässerdirektion stattgefunden, aber
Kompromisse haben nie erzielt werden können. Auch die seinerzeit vom Umweltminister
gemachten Versprechungen wurden nicht eingehalten. Die Bürger können bis zum 1.
Dezember ihre Einwendungen erheben, die Stadt als Träger öffentlicher Belange
könne bis zum 18. Januar ihre Stellungnahme abgeben. Die Stadt fordert des
weiteren eine Prüfung der so genannten „Hartheimer Lösung“, die die
Auswirkungen auf Breisach deutlich abschwächen würde. Außerdem lehnt die Stadt
die sogenannten ökologischen Flutungen ab, die für Breisach nicht
umweltverträglich sind. Sie können beim Kulturwehr nicht funktionieren, da
dieser Polder nicht als Fließpolder, sondern als stehendes Gewässer geplant
sei. Es sei nicht hinnehmbar, dass rund 70 Prozent des Breisacher Waldes
durchschnittlich bis zu 65 Tagen im Jahr geflutet werden soll. Dies bringe
nicht nur eine Schnakenplage mit sich, sondern schade auch dem wichtigen
Wirtschaftsfaktor Tourismus und schränke die Stadt bei ihren städtebaulichen
Planungen stark ein. Auch die Trinkwasserversorgung sei dadurch gefährdet.
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Abschließend erklärt Bürgermeister Vonarb, dass die Stadt
sich nicht generell gegen den Hochwasserschutz sträube und bereit sei, 800 ha
Wald dafür zur Verfügung zu stellen. Es könne aber nicht sein, dass der Stadt
auch noch die ökologischen Flutungen zugemutet werden. Sollte das Land nicht in
wesentlichen Punkten nachgeben, dann werde die Stadt den Klageweg beschreiten.
Bürgermeister
Vonarb übergibt das Wort an RA Simon, der in seinen Ausführungen unter anderem
folgende Bedenken gegen das Projekt nennt:
Es
gibt kein Raumordnungsverfahren, das alle 13 geplanten Rückhalteräume gemeinsam
betrachtet. Alternativen wie die „Hartheimer Lösung“ wurden bis jetzt nicht
untersucht. 70 % des Breisacher Waldes und 16,7 % der gesamten Gemeindefläche
werden mindestens die nächsten 200 Jahre nicht mehr genutzt oder bebaut werden
können. Baugebiete, zum Beispiel in Hochstetten müssen mit Brunnengalerien
gesichert werden. Häuser könnten Risse erhalten und Fundamente sich absetzen.
Es gebe deutlich mehr Schnaken und Zecken durch die ökologischen Flutungen.
Durch die ökologischen Flutungen werden wichtige Naherholungsgebiete nicht mehr
begehbar sein. Es gibt Einschränkungen in der Landwirtschaft, bei der Jagd und
Fischerei. Das Sportgelände und das Schwimmbad könnten überflutet werden. Es
gibt keine Abstimmung mit den französischen Behörden.
Für die CDU-Fraktion dankt
Stadträtin Monika Mack die Bürgerinitiative für ihr großartiges Engagement.
Zusammen mit Stadtrat Peter Bercher kritisiert sie die vom Land geplanten
Vorhaben und spricht sich ausdrücklich gegen die ökologischen Flutungen aus.
Stadtrat Peter Bercher befürchte nachhaltige Eingriffe in die Natur und in das
Leben der Menschen in der Region. Unter anderem sei die Frage des
Schadenersatzes bislang nur unzureichend geregelt. Er fordert darüber hinaus
noch einmal die Möglichkeit der Schaffung eines Fließpolders zu untersuchen.
Stadtrat Lothar Menges
(SPD) stimmt für seine Fraktion dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu. Er
lehnt die ökologischen Flutungen ab. Seine Fraktion werde nur einer
Schlutenlösung zustimmen. Einstauhöhen von 4 Metern seien eindeutig zu hoch,
2,50 Meter seien mehr als genug. Er stellt die Frage, was passiert, wenn ein
Damm bricht? Die Sicherheit der Menschen und die Trinkwasserversorgung sei zu
wichtig. Er appelliere an die Bevölkerung, Einwendungen zu erheben.
Stadtrat Gerd Müller
spricht sich persönlich nicht gegen ökologischen Flutungen aus. Einige
Forstbiologen seien der Meinung, dass nur durch ökologische Flutungen die Bäume
an Hochwasser gewöhnt werden könnten. Er stellt den Antrag, die ökologischen Flutungen
zunächst auszusetzen und sie erst zu einem späteren Zeitpunkt zuzulassen, wenn
neue Erkenntnisse über ihre Folgen für den Wald vorliegen.
Für die FDP/FWB befürchtet
Stadtrat Werner Schneider, dass der wichtige Wachstumsbereich Tourismus durch
die ökologischen Flutungen beeinträchtigt werde. Darunter würde auch Handel, Gastronomie
und Handwerk leiden. Stadtrat Dr. Rüdiger Groh kann nicht begreifen, dass der
Breisacher Wald gegen alle Vernunft vernichtet werden soll.
- 4 –
Stadträtin Dr. Petra
Breitenfeldt (ULB) hält ökologische Flutungen aus forstwissenschaftlicher Sicht
ebenfalls für sinnvoll. Sie sieht jedoch Breisach von ihnen zu stark in
Mitleidenschaft gezogen und stimmt dem Beschlussvorschlag zu.
Stadtrat Reiner Zimmermann
(SPD) erklärt, dass Breisach keine ökologische „Spielwiese“ sein dürfe. Seinem
Antrag, die Möhlin als Vorfluter zu nutzen, um einen Anstieg des Grundwassers
in Hochstetten zu verhindern, wird einstimmig zugestimmt.
Der Antrag von Stadtrat
Gerd Müller wird mit 1 Ja- Stimme, 1 Enthaltung und 22 Nein-Stimmen abgelehnt.
Es ergeht folgender
Beschluss
(einstimmig 24:0:0)
1) Der
Gemeinderat beschließt die in der Anlage (Anlage 1) beigefügte Stellungnahme im
Planfeststellungsverfahren „Kulturwehr Breisach“ und beauftragt die Verwaltung,
diese Stellungnahme bei der Planfeststellungsbehörde einzureichen.
2) Der Gemeinderat
beauftragt darüber hinaus die Verwaltung, innerhalb des Behördenbeteiligungsverfahrens
die in der Anlage 2 aufgeführten Bedenken gegen das o.g. Vorhaben und die dazu
gehörigen Unterlagen in eine weitere Stellungnahme auszuarbeiten und diese
ebenfalls bei der Planfeststellungsbehörde einzureichen.
Schluss der Sitzung: 20.45 Uhr
Zur
Beurkundung
Gemeinderäte: Der
Bürgermeister:
Die
Protokollführerin:
E. Dizien-Richarz