Protokoll
Nr. 10
über die öffentliche Sondersitzung
des Gemeinderats
am 28.10.2008
im Bürgersaal
in
Breisach am Rhein
Teilnehmer:
als
Vorsitzender Bürgermeister
Oliver Rein
die
Stadträte: Bercher
Peter
Binz
Andreas
Dr.
Breitenfeldt Petra (ab 18 H 45)
Czemerys
Günter
Dewaldt
Freddo
Hintereck
Wendelin
Jäger
Gerold
Kreutner
Frank
Leber Jörg
Mack Monika
Maier-Hänle
Ulrike
Menges
Lothar
Müller Gerd
Schäfer Thomas
Schneider Werner
Siebenhaar Roman
Siegel Anton
Wiedensohler Imogen
Zimmermann Reiner
Entschuldigt: Fischer Andreas
Fleig
Andreas
Gnädinger
Rudolf
Ingenhoven
Willi
Köbele
Ruth
Kuhn Barbara
Singler
Andreas
Ortsvorsteher: Kiefer Bernhard,
Oberrimsingen
Ziegler
Walther, Gündlingen
Von der
Verwaltung: Stadtkämmerer
Konrad Schanno
Stadtbauoberrat
Horst Wolf
Oberamtsrat
Harald Bitzenhofer
Leiter
Tiefbauamt Siegmar Geisert
Dipl.-Ing.
Stefan Baum und
Protokollführer
Florian Herth
Beginn der Sitzung:
18.30 Uhr
- 2 -
TOP. 1)
Fortschreibung des Märktekonzeptes
- Bericht der GMA
(Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH) über
das Ergebnis der Haushalt- und
Einzelhandelsbefragung und dessen gut-
achtliche Bewertung
Referentin: Frau Dipl.-Ing. Gabriele Ostertag
Nach
kurzer Begrüßung der Gemeinderatsmitglieder, Pressevertreter und interessierten
Zuhörer stellt Bürgermeister Rein die Wichtigkeit des Tagesordnungspunktes
fest. Mit der Aufstufung zum Mittelzentrum im regionalplanerischen Kontext im
Jahre 2001 hat die Verantwortung der Stadt Breisach für die Versorgung des
Umlandes zugenommen. Diese zukunftsorientierte Entwicklungsplanung erfordert
ein engagiertes Auftreten, bei dem die vorhandenen gut funktionierenden
Strukturen der Innenstadt nicht geschwächt werden dürfen.
Die
Initiative für die Fortschreibung des Märktekonzeptes wurde durch die in
Aussicht genommene Entwicklung des KBC – Geländes ebenso mit ausgelöst. Auch
dieser Planungsansatz einer wirtschaftlichen Verwertung des ehemaligen
Textilstandortes ist legitim. Vor einem Eintritt in eine nähere Einzelplanung
ist jedoch eine intensive Grundlagenarbeit zu leisten.
Der
Entwurf der GMA-Studie wurde bereits in einer nichtöffentlichen
Bauausschuss-Sitzung präsentiert. Er berücksichtigt die demografische
Entwicklung der Stadt Breisach bis zum Zieljahr 2015 – 2020 und die sich daraus
ableitenden Entwicklungsbedürfnisse in unterschiedlichen Sparten. Mit einer
ausgiebigen Einwohner- und Kundenbefragung soll das Märktekonzept eine wichtige
Entscheidungsgrundlage sein.
Die
Referentin, Frau Dipl.-Ing. Gabriele Ostertag, hat sich wegen eines
Verkehrsstaus auf der Autobahn verspätetet. Bürgermeister Rein unterbricht die
Sitzung für 15 Minuten bis zum Eintreffen von Frau Ostertag.
Wiederaufnahme
der Sitzung um 18.50 Uhr.
Der
gesamte Inhalt des Märktekonzeptes wird den Mitgliedern des Gemeinderates im
Nachgang in Form einer CD übergeben, um die einzelnen Inhalte nachlesen zu
können.
Als
maßgebliche Erkenntnisse ergeben sich folgende Leitsätze:
Das
Märktekonzept stellt Branchendefizite und Entwicklungspotenziale dar.
In der
zurückliegenden zeitlichen Entwicklung zeigt sich eine Veränderung des
Marktverhaltens
- Reduzierung der Lebensmittelanteile an den
Gesamtausgaben der Haushalte
- Wegbrechen kleinerer Einzelhandelsgeschäfte
hin zum großflächigen SB-Markt.
- Steigerung des Versorgungsauftrages von
Breisach als Mittelzentrum mit ca. 28.500 Einwohnern auf deutscher Seite und
ca. 18.500 Einwohner auf französischer Seite im Einzugsgebiet.
- Einzelhandelsflächen in Breisach insgesamt
26.400m².
Im
Vergleich der Versorgungskennziffern zu anderen Städten der Umgebung und
gleicher Ausgangslage (Kehl, Emmendingen, Endingen) ist Breisach quantitativ
gut ausgestattet.
Nachholbedarf
besteht in Teilsegmenten von Blumen, Büchern, Bekleidung, Elektro und Medien sowie
sonstiger Einzelhandel (z.B. Heimwerkerbedarf).
- 3 –
Nach
der Prognose steht im Einzugsgebiet der Stadt Breisach eine Kaufkraft von ca.
280 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung.
Die
Entwicklungspotenziale des Einzelhandelsstandortes Breisach sind perspektivisch
dennoch nicht ausgeschöpft.
Aussagen
des Einzelhandelskonzeptes:
- keine zentrenrelevanten Sortimente in
dezentralen Lagen
- Lenkung von Investitionen in städtebaulich
gewünschte Lagen
- Die Grenzen des Einzelhandelskonzeptes
bestehen darin, dass keine Möglichkeit für die Erhaltung bestimmter
Betriebsformen standortbezogen gegeben ist.
- Einzige städtebaulich und planungsrechtlich
regelbare Grundlage ist die Definition der Nutzungsarten und Sortimente im
Rahmen eines Bebauungsplanes.
Fazit
für das Standortkonzept Breisach:
- Erweiterung nach Osten entlang der Straße
„Neuer Weg“ mit Erfassung des Fachmarktzentrums
- Erweiterung nach Norden entlang
der Kupfertorstraße bis zum Kupfertorplatz
Wichtige
Aufgabe des Sortimentskonzeptes ist die Definition der Zentrenrelevanz der
einzelnen Sortimente. Dies sind Warengruppen, welche
Verbraucherfrequenz
erzeugen
-
Koppelungskäufe anregen
-
integrierbar sind (Flächenanspruch,
Stadtbildwirkung)
- eine hohe Einzelhandelszentralität erzeugen
-
handlich sind (d.h. für Taschenkäufe
geeignet, keine schweren bzw. sperrigen Waren, die besonderen Anforderungen
hinsichtlich des An- und Abtransportes unterliegen).
Das
Angebot von nicht zentrenrelevanten Sortimenten hingegen stellt auch an nicht
integrierten Standorten keine wesentliche Gefährdung für die zentralen Lagen
dar. Sie sind an solchen Standorten aus planerischer Sicht aufgrund ihres
großen Platzbedarfes und der durch sie hervorgerufenen Verkehrsfrequenz unter
Umständen sogar erwünscht.
In
seiner abschließenden Betrachtung kommt das Märktekonzept auch zur Beurteilung
der Entwicklungspotenziale auf dem KBC – Areal. Diese Bewertung ist auf Seite
70 des GMA – Gutachtens einander gegenübergestellt.
Bürgermeister
Rein dankt Frau Ostertag für die ausführliche, verständliche und kompetente
Ausarbeitung. Mit der Feststellung, dass Breisach noch über eine intakte Innenstadt
verfügt und im Rahmen eines Nachholbedarfs noch bei verschiedenen Sparten
Entwicklungen gegeben sind, eröffnet er die Fragerunde des Gemeinderates.
StR.
Bercher interessiert sich für die Wichtigkeit der Autoerreichbarkeit von
Einzelhandelsstandorten. Frau Ostertag schätzt diese Bedeutung sehr hoch ein,
was insbesondere durch die Auswertung der Fragebögen der Haushalts- und der
Einzelhandelsbefragung gestützt wird.
StR.
Müller weist auf die Notwendigkeit der zukunftsorientierten Steuerung hin und
sieht in der Verwendung des Autos für die Zukunft rückläufige Tendenzen. Dies
mache für die Stadt ein Flächenmanagement in der Innenstadt unter anderen
Vorzeichen der Nutzungsintensionen erforderlich.
- 4 –
Nach
seiner Auffassung ist Breisach für die Zukunft gut aufgestellt und ein
Vergleich mit den Städten Kehl und Emmendingen ist für ihn nicht
nachvollziehbar.
Die
Einstufung von Nahrungs- und Genussmittel als zentrenrelevante Sortimente macht
für ihn deutlich, dass das KBC – Gelände als Einzelhandelsstandort aufgrund
seiner peripheren Randlage und schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt nicht
akzeptabel ist.
Für
StR. Zimmermann ist es nicht ausgemacht, dass Breisach als Mittelzentrum sich
nicht nach Süden öffnen kann. Er vermisst im Märktekonzept eine Betrachtung in
Bezug auf Tourismus und Fremdenverkehr, auch unter dem Aspekt der
Verkehrsmittel Fahrräder und ÖPNV unter Berücksichtigung der französischen
Anbindung.
Außerdem
gibt er zu bedenken, dass eine hemmungslose Entwicklung andererseits auch eine
Beachtung der Entwicklungs- und Erschließungskosten notwendig macht, um die
städtischen Finanzierungsmittel nicht zu überfordern. Außerdem regt er eine
Revitalisierung der Innenstadt an.
Frau
Ostertag bestätigt, dass die Fremdenverkehrsentwicklung in die
Einzel-handelsbetrachtung mit einbezogen wurde. Die Gesamtbetrachtung der
Themenkomplexe von Herrn Zimmermann gehen jedoch über Aufgabenstellung des
Märktekonzeptes hinaus.
StR.
Schneider lobt die gute Ausarbeitung des Märktekonzeptes als Grundlage für die
künftige Meinungsbildung. Für ihn ist die bedingungslose Erfassung des
Innenstadtbestandes wichtig und richtig dargestellt. Für die Entwicklung sieht
er zusätzliche Magneten als erforderliche Ansiedlungspotenziale an, um zur
weiteren Stärkung des Standortes Breisach im regionalen Kontext beizutragen.
Dies
wird nach Auffassung von Herrn Rein eine wichtige Aufgabenstellung für die
künftige Meinungsbildung sein, dass die Bedarfsbereiche festgestellt und die
Entwicklungspotenziale ermittelt werden.
StR.
Müller weist daraufhin, dass der Beschlussvorschlag des Gemeinderates
eindeutiger zu fassen ist, da die Ausarbeitung des Märktekonzeptes alternative
Entwick-lungsmöglichkeiten vorschlägt und insoweit keine eindeutige Festlegung
erfolgen kann.
Bürgermeister
Rein bestätigt diesen Hinweis und ändert den Beschlussvorschlag wie folgt:
Beschluss
(einstimmig 20:0:0)
Der
Gemeinderat nimmt die Ausarbeitung des überarbeiteten Märktekonzeptes
zustimmend zur Kenntnis als Grundlage für weitere Planungsentwicklungen.
Schluss der Sitzung:
19.15 Uhr
- 5 –
Zur
Beurkundung
Gemeinderäte: Der Bürgermeister:
Der Protokollführer:
Florian Herth